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OER‑Remix oder nur Sammlung? Praxisbeispiele aus der Lehre

Bild von Sarah Brockmann, freigegeben unter CC 0 (1.0)

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Wer mit OER arbei­tet, steht frü­her oder spä­ter vor der Frage: Wann liegt eigent­lich ein „ech­ter“ Remix vor – und wann han­delt es sich nur um eine Samm­lung von Mate­ria­lien, die neben­ein­an­der ste­hen? Genau davon hängt ab, ob fremde CC‑Materialien aus der eige­nen Lizenz aus­ge­klam­mert wer­den kön­nen oder ob die ursprüng­li­chen CC‑Lizenzen das Gesamt­werk prä­gen.

Remix vs. Sammlung: die Schlüsselfrage

Aus Sicht von Crea­tive Com­mons las­sen sich zwei Kon­stel­la­tio­nen unter­schei­den:

- Samm­lung (coll­ec­tion): Es wer­den ver­schie­dene Werke neben­ein­an­der gestellt, ohne sie in ein neues ein­heit­li­ches Werk zu ver­schmel­zen. Die ein­zel­nen Inhalte blei­ben tech­nisch und juris­tisch trenn­bar und behal­ten ihre eige­nen Lizen­zen.

- Remix/Adaptation: Inhalte wer­den so kom­bi­niert, bear­bei­tet und reor­ga­ni­siert, dass ein neues ein­heit­li­ches Werk ent­steht, in dem die ursprüng­li­chen Mate­ria­lien nicht mehr ein­fach „her­aus­lös­bar“ sind. Die ursprüng­li­chen CC‑Lizenzen wir­ken dann auf das neue Werk.

Eine sehr prak­ti­sche Prüf­frage lau­tet:

- Sind die frem­den Mate­ria­lien technisch/juristisch trenn­bar und klar als sol­che erkenn­bar? → Dann han­delt es sich eher um eine Samm­lung und ein Aus­klam­mern ist mög­lich.

- Oder sind sie untrenn­bar in einem Werk ein­ge­bun­den (Remix im enge­ren Sinne)? → Dann grei­fen die jewei­li­gen Aus­gangs­li­zen­zen; ein „Her­aus­lö­sen“ aus der Lizen­zie­rung ist prak­tisch nicht mehr mög­lich.

Schauen wir uns Bei­spiele aus der Lehre für Samm­lung und Remix an:

1. CC‑Materialien trennbar (Sammlung) → Ausklammern möglich

In die­sen Fäl­len wer­den CC‑Materialien genutzt, aber eher „neben­ein­an­der“ gestellt. Sie blei­ben als eigen­stän­dige Werke erkenn­bar und kön­nen auch tech­nisch getrennt wei­ter­ge­ge­ben wer­den.

a) LMS‑Kurs als Sammlung unterschiedlicher CC‑Ressourcen

Es wird ein Kurs in Moodle, ILIAS oder Can­vas erstellt:

- Ein­heit 1: ver­link­tes CC BY‑Skript aus Pro­jekt A

- Ein­heit 2: ein­ge­bet­te­tes CC BY‑NC‑Video von Hoch­schule B

- Ein­heit 3: H5P‑Übung (CC BY‑SA) von Pro­jekt C

Die eige­nen Kurs­ma­te­ria­lien wer­den unter CC BY gestellt. OER-Mate­ria­lien Drit­ter wer­den aus­ge­nom­men, z. B. so: „Sofern nicht anders gekenn­zeich­net, ste­hen die Kurs­ma­te­ria­lien unter CC BY 4.0; verlinkte/eingebettete CC‑Materialien behal­ten ihre eigene Lizenz.“

b) Reader/Materialsammlung mit unveränderten CC‑Artikeln

Es wird ein Doku­ment erstellt mit zehn unver­än­der­ten CC‑Artikeln (CC BY, CC BY‑NC, CC BY‑SA usw.):

- Es wird ein Vor­wort geschrie­ben, ein Inhalts­ver­zeich­nis erstellt und die Rei­hen­folge sor­tiert.

- Die Arti­kel selbst wer­den unver­än­dert über­nom­men und jeweils mit Original‑Lizenzhinweisen ver­se­hen.

Recht­lich ist das eine Samm­lung. Die eigene CC BY‑Lizenz bezieht sich nur auf Vor­wort, Inhalts­ver­zeich­nis sowie Aus­wahl und Anord­nung; die Arti­kel blei­ben in ihren jewei­li­gen CC‑Lizenzen.

c) OER‑Website mit separaten CC‑Modulen

Eine Kurs­web­site ent­hält zehn Module:

- Module 1, 3 und 5 sind selbst ent­wi­ckelt (CC BY).

- Modul 2 ist 1:1 aus einem OER mit CC BY‑SA über­nom­men.

- Modul 4 stammt aus einem OER mit CC BY‑NC.

Jedes Modul ist eine eigene Unter­seite mit kla­rer Lizenz­an­gabe (z. B. im Foo­ter oder Modul‑Header). Die eige­nen Module kön­nen CC BY lizen­ziert wer­den; die frem­den blei­ben bei ihrer ursprüng­li­chen CC‑Lizenz. Die Web­site ist in die­sem Sinne eine Samm­lung von Modu­len, keine voll­stän­dige Remix‑Adaptation aller Inhalte.

d) Mehrere CC‑Werke auf einer Präsentationsfolie

Es wird eine Folie gebaut mit:

- eige­nem Text,

- einem ein­ge­füg­ten CC‑Bild (unver­än­dert).

Wenn das Bild nicht krea­tiv bear­bei­tet (nur Größe/Position ange­passt) wird, liegt eine bloße Zusam­men­stel­lung vor. Das Bild bleibt ein eige­nes Werk mit eige­ner CC‑Lizenz. Dies kann so gekenn­zeich­net wer­den: „Inhalte der Prä­sen­ta­tion (Text, Lay­out) unter CC BY 4.0, ein­ge­bet­tete Bil­der: siehe Bild­un­ter­schrif­ten (eigene CC‑Lizenzen).“

Erst wenn das Bild krea­tiv bear­bei­tet wird und mit ande­ren Ele­men­ten zu etwas Neuem ver­schmilzt, kommt man in den Remix‑Bereich.

e) Kurspräsentation mit unverändert eingefügten CC‑Foliensätzen

Es wird eine Foli­en­samm­lung erstellt:

- Folien 1–9 sind selbst ent­wi­ckelt (CC BY)

- Folien 10–15 wer­den unver­än­dert aus einer CC BY‑SA-Prä­sen­ta­tion über­nom­men

- Folien 16–20 aus einer CC BY‑Präsentation einer ande­ren Hoch­schule.

An den Fremd­fo­lien wird nichts geän­dert, sie sind aber als klar abge­grenzte Blö­cke („Folien 10–15: aus OER XY, CC BY‑SA 4.0“) gekenn­zeich­net. Juris­tisch lässt sich das noch als Samm­lung von Foli­en­sät­zen ver­ste­hen.

f) Online‑Kurs mit separaten herunterladbaren OER‑Dateien

Im Kurs­be­reich lie­gen:

- ein eige­nes Skript (CC BY),

- ein frem­des Arbeits­blatt (CC BY‑NC‑SA),

- eine fremde Prä­sen­ta­tion (CC BY‑SA).

Alle drei Mate­ria­lien sind als sepa­rate Dateien down­load­bar, jeweils mit eige­ner Lizenz­an­gabe. Das Skript kann CC BY-lizenz­ziert sein, die ande­ren Dateien blei­ben unter ihren jewei­li­gen CC‑Lizenzen; gemein­sam bil­den sie eine Samm­lung, kei­nen inte­grier­ten Remix.

2. CC‑Materialien untrennbar remixt → nicht mehr separierbar

Bei einem ech­ten Remix wer­den meh­rere CC‑Werke so kom­bi­niert, dass ein neues, ein­heit­li­ches Werk ent­steht, in dem die ursprüng­li­chen Quel­len nicht mehr ohne Wei­te­res iso­liert wer­den kön­nen. In die­sem Fall bestim­men die Aus­gangs­li­zen­zen die Lizenz­op­tio­nen für das Gesamt­werk. Ein Aus­klam­mern ein­zel­ner Mate­ria­lien ist nicht mehr mög­lich.

a) Neues Lehrbuchkapitel aus mehreren CC‑Texten

Es wird ein Kapi­tel erstellt:

- Es wer­den Abschnitte aus einem CC BY‑Text, einem CC BY‑SA‑Text oder einem CC BY‑NC‑Text über­nom­men.

- Die Spra­che wird ange­passt, Über­gänge geschrie­ben, eigene Bei­spiele hin­zu­ge­fügt und alles neu sor­tiert.

Am Ende steht ein durch­ge­hen­der Text, bei dem die Lesen­den nicht mehr nach­voll­zie­hen kön­nen, wel­che Pas­sage aus wel­cher Quelle stammt. Das ist eine Adaptation/Remix meh­re­rer CC‑Quellen. Die Bedin­gun­gen der strengs­ten betei­lig­ten Lizenz (z.B. SA oder NC) zie­hen für das Kapi­tel ins­ge­samt.

b) Eine kombinierte Grafik aus mehreren CC‑Diagrammen

Es wird eine neue Info­gra­fik erstellt:

- Drei CC‑Diagramme (Pro­zess­gra­fi­ken, Zeit­strah­len) die­nen als Aus­gangs­ba­sis.

- Mit einem Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm wer­den Ele­mente ver­scho­ben, Far­ben geän­dert, eigene Icons hin­zu­ge­fügt und alles zu einem ein­zi­gen neuen Bild kom­bi­niert.

Die neue Gra­fik ist eine Bear­bei­tung mehr­fa­cher CC‑Werke. Die ursprüng­li­chen CC‑Lizenzen wir­ken auf das gesamte Bild; das ist ein klas­si­scher Remix.

c) Video‑Remix aus mehreren CC‑Videos

Es wird ein Lehr­vi­deo erstellt:

- Aus drei CC‑Videos (z.B. Expe­ri­ment, Inter­view, Ani­ma­tion) wer­den Sequen­zen her­aus­ge­schnit­ten.

- Diese Clips wer­den gemischt, eine Sprecher:innenspur wird dar­über­ge­legt und CC‑lizenzierte Bil­der und Icons ergänzt.

Ergeb­nis: ein ein­heit­li­ches Video als eine Datei. Hier liegt ein Remix im enge­ren Sinne vor – die ein­zel­nen CC‑Quellen gehen in der neuen Kom­po­si­tion auf. Die Lizenz­be­din­gun­gen der strengs­ten Lizenz (v.a. mit SA, NC) bestim­men, unter wel­cher CC‑Lizenz das Gesamt­vi­deo ver­öf­fent­licht wer­den darf.

d) H5P‑Interactive‑Book mit eingebauten CC‑Texten und ‑Bildern

Es wird ein H5P‑„Interactive Book“ gebaut:

- Text­ab­schnitte aus CC BY‑ und CC BY‑SA‑OER wer­den hin­ein­ko­piert und teil­weise umge­schrie­ben.

- Es werd­fen CC‑Bilder und Quiz­fra­gen aus wei­te­ren OER hin­zu­ge­fügt.

- Am Ende ergibt sich ein durch­ge­hen­der Lern­pfad in einer ein­zi­gen H5P‑Datei.

Das Ergeb­nis ist ein Remix der ver­wen­de­ten OER. Die Inhalte sind tech­nisch ver­mischt und nicht mehr sinn­voll sepa­rier­bar.

e) Einheitlicher Foliensatz als „Best of“ verschiedener CC‑Präsentationen

Es wer­den meh­rere CC‑Präsentationen (z.B. BY, BY‑SA, CC0) geöff­net:

- Ein­zelne Folien oder Inhalte dar­aus wer­den in eine neue Prä­sen­ta­tion kopiert.

- Texte wer­den geän­dert, Gra­fi­ken ange­passt, das Design har­mo­ni­siert und eigene Folien hin­zu­ge­fügt.

Am Ende steht ein durch­ge­hend gestal­te­ter Foli­en­satz, den Stu­die­rende als ein ein­zi­ges neues Werk wahr­neh­men.

Fazit

Für die Pra­xis in Lehre und OER‑Produktion lohnt es sich, bei jeder Kom­bi­na­tion von Mate­ria­lien bewusst zu fra­gen:

Sind die frem­den Inhalte technisch/juristisch trenn­bar, klar gekenn­zeich­net und auch sepa­rat nach­nutz­bar? Oder ent­steht ein ein­heit­li­ches neues Werk, in dem die ursprüng­li­chen Mate­ria­lien auf­ge­hen?

Gerade bei Kur­sen, Prä­sen­ta­tio­nen und H5P‑Inhalten hilft es, diese Unter­schei­dung früh mit­zu­den­ken – dann wer­den Lizenz­fal­len ver­mie­den und die Bil­dungs­ma­te­ria­lien kön­nen bewusst so gestal­tet wer­den, dass sie mög­lichst offen und nach­nutz­bar blei­ben.

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